Traiskirchen im historischen Wandel

© Museum Traiskirchen

Traiskirchen - Wirtschaftsstandort mit Tradition

Bereits im Zeitalter der Industrialisierung entwickelte sich Traiskirchen zu einem florierenden Wirtschaftsstandort, der sich durch die Nähe zur k.u.k. Hauptstadt Wien, dem Vorkommen von Sand, Lehm und Tegel sowie der Wasserkraft entlang Mühlbach und Wiener Neustädter Kanal auszeichnete.

Heute sind in Traiskirchen rund 570 Betriebe angesiedelt, die ehemalige Industriestadt hat sich zu einer modernen Stadt mit Gewerbe, Dienstleistung und Innovationen gewandelt.

Von der Fabrik zum Museum

Die erste große Industrieanlage war die Kammgarnspinnerei in Möllersdorf, die 1824 als Baumwollspinnerei gegründet wurde. In der Fabrik wurden feine Garne und Zwirne erzeugt, Mitte der 1950er Jahre waren hier fast 1.400 Menschen beschäftigt. Seine Spitzenauslastung erreichte das Werk Anfang der 1970er Jahre – um die drei Tonnen Kammgarn wurden damals jährlich produziert. Das Werk wurde 1976 geschlossen.

Heute befindet sich in der ehemaligen Kammgarnfabrik das Museum Traiskirchen mit umfangreichen Sammlungen zu vielfältigen Themenbereichen.

Von der Industrie zur Lebensstadt

Das Areal der ehemaligen Semperit wird seit Jahren revitalisiert und ist als „Gewerbepark Traiskirchen“ Heimat vieler innovativer Unternehmen und Start-ups geworden. 66 Unternehmen im bunten Branchenmix mit fast 700 MitarbeiterInnen sind hier angesiedelt. Außerdem befindet sich auf den Dächern der Gebäude eine 16.500  m2 große Photovoltaik-Anlage, die mit Hilfe eines Bürgerbeteiligungs- Prozesses realisiert wurde. Mit dem dort produzierten Sonnenstrom wird der jährliche Strombedarf von 800 Haushalten abgedeckt.

Das zweite große Gewerbegebiet ist das Industriezentrum Süd in Oeynhausen. Schon bei seiner Etablierung in den 1980er Jahren wurde darauf geachtet, eine Mindestanzahl von Beschäftigten in Relation zur Grundfläche vorzuschreiben. Im Jahr 2018 wurde hier der neue Standort der Wiener Netze eröffnet, die größte Unternehmensansiedelung der jüngeren Geschichte. Von Traiskirchen aus wird seitdem das südliche Niederösterreich und das Burgenland mit Energie versorgt.

 

Traiskirchen und seine Semperit

Kaum ein anderer Betrieb hat Traiskirchen so sehr geprägt wie die Semperit. 1896 als Gummiwarenfabrik von Josef Miskolczy, einem Pionier der heimischen Kautschukindustrie, gegründet, wurde das Werk im Jahr 1909 in Semperit Gummiwerke GmbH umbenannt und war über viele Jahre einer der bedeutendsten Reifenhersteller.

Jahrzehntelang war die Semperit die größte Arbeitgeberin der Stadt. Mit seinen Werkswohnungen, Sport- und Freizeitangeboten bildete das Werksareal im Zentrum Traiskirchens so etwas wie  eine kleine Stadt in der Stadt. Fast alle in Traiskirchen hatten einen Bezug dazu. Mit dem guten Lohnniveau, den vielen Sozialleistungen und einer eigenen Betriebskrankenkasse, war ein Job bei Semperit etwas, worauf man stolz war. 1985 wurde die Semperit von Continental übernommen. In den 1990er Jahren begann der systematische Abbau der Belegschaft und 2002 wurde die Reifenproduktion in Traiskirchen eingestellt. Die jahrelangen Kampagnen und Proteste der Traiskirchner Belegschaft und Politik gegen die Werksschließung blieben wirkungslos, nach 113 Jahren wurde das Werk endgültig im Dezember 2009 geschlossen.

Mitte der 1980er Jahre zählte der Traiskirchner Standort fast 4.500 Beschäftigte, die täglich 17.500 Kraftfahrzeugreifen, 11.000 Autoschläuche sowie 17.500 Fahrrad-und Mopedreifen produzierten.

Ökonomie trifft Ökologie

Der neu angelegte Rastplatz am Wiener-Neustädter Kanal, ist Teil der Stadt- und Industriegeschichte und somit Gegenstand einer aktiven Stadtentwicklung. Ursprünglich stand dort das Leopold Ramminger Ziegelwerk, später war dieser Ort Firmensitz der Österreichischen Linoleum, Wachstuch und Kunstlederfabriken. Aufgrund der Lage direkt am Naturjuwel Wiener Neustädter Kanal investiert die Stadt in die behutsame Entwicklung dieses alten Gewerbegebiets, damit schützenswerter Lebensraum erhalten und nutzbar bleibt.